Wissenschaft
Als Systemischer Fachverband kümmert sich die Systemische Gesellschaft satzungsgemäß um den Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis. Obwohl die systemisch-konstruktivistische Erkenntnistheorie in den vergangenen Jahrzehnten die Natur- und Geisteswissenschaften stark beeinflusst hat, ist ihre Position im Wissenschaftsbetrieb - zumindest hierzulande - längst nicht so etabliert, wie man annehmen könnte.
Der Anteil an Lehrstühlen in Medizin, Psychologie, Sozialwissenschaften, sozialer Arbeit und anderen Humanwissenschaften, der von systemisch orientierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern besetzt wird, ist vergleichsweise klein und entspricht nicht dem Stellenwert, die der Systemische Ansatz im humanwissenschaftlichen Diskurs einnimmt. Nur so ist beispielsweise verstehbar, dass es dem Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie (WBP) lange Zeit, bis Dezember 2008, möglich war, die wissenschaftliche Fundierung der Systemischen Therapie abzustreiten.
Förderung von Forschungsvorhaben
Die Systemische Gesellschaft fördert systemische Theorie- und Praxisforschung durch finanzielle, publizistische und organisatorische Unterstützung.
Ein Beispiel hierfür ist beispielsweise die Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Studie von Kirsten von Sydow, Stefan Beher, Rüdiger Retzlaff und Jochen Schweitzer, die im Auftrag der Systemischen Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) erstellt und dem Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie (WBP) im Sommer 2006 vorgelegt wurde. Die Studie belegt erfolgreich die Wirksamkeit der Systemischen Therapie. Im Dezember 2008 erfolgte die Anerkennung der Systemischen Therapie durch den WBP ( Pressemeldung vom 9.1.2009).
Weitere Beispiele sind das SYMPA-Projekt (Systemtherapeutische Methoden in der psychiatrischen Akutversorgung) sowie das Forschungsprojekt „Neurobiologie nichtlinearer Prozesse in der Psychotherapie von Zwangsstörungen – Funktionelle Bildgebung (MRT) und computerbasiertes Prozess-Monitoring“ (2005-2007) von Prof. Dr. Günter Schiepek, Dr. Igor Tominschek und Dr. Oliver Pogarell.
Online-Plattform „Systemisch Forschen“
Im Sommer 2009 wurde das gemeinsam initiierte Gemeinschaftsprojekt zwischen der Systemische Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie fertig gestellt: Die Internetplattform systemisch-forschen.de. Dieses Web-Angebot richtet sich an Wissenschaftler, Studenten und Praktikanten, die an Systemischer Forschung interessiert sind und ihre Arbeitsschwerpunkte etwa in den Feldern Psychotherapie, Organisationsberatung oder soziale Arbeit haben.
Dabei sollen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gegenseitig unterstützen oder fachlich austauschen, zum Beispiel bei der Frage, wie ein Systemisches Forschungsprojekt geplant, durchgeführt und beendet wird. Ein „Online-Handbuch" für Systemische Forschung mit Einführungstexten soll entstehen, eine Kontaktliste zur Systemischen Forschung angeboten werden sowie eine Diskussionsplattform und ein Forschungs-Newsletter.
Zielgruppe dieser bereichsübergreifenden Plattform sind Systemisch orientierte Forscher und Forschergruppen, die ihre Arbeitsschwerpunkte in den Bereichen Systemische Therapie, Organisationsentwicklung, Pädagogik, Soziologie und Sozialarbeit haben.
Wissenschaftliche Tagungen
Zur Förderung der fachlichen Diskussion, gestaltet ein Mitgliedsinstitut jährlich eine öffentliche wissenschaftliche Fachtagung zu Themen aus der systemischen Theorie und Praxis in Kooperation mit der Systemische Gesellschaft. Darüber hinaus unterstützt die Systemische Gesellschaft systemisch orientierte wissenschaftliche Tagungen in unterschiedlichen Kooperationsformen.
2004 richtete eine Arbeitsgruppe im Auftrag der Systemischen Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) den bislang größten Kongress der Europäischen Vereinigung für Familientherapie (EFTA) mit über 3.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Berlin aus.
Wissenschaftlicher Förderpreis
Die SG vergibt alle zwei Jahre einen wissenschaftlichen Förderpreis an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für Arbeiten, die sich durch praxisrelevante systemische Forschungsansätze auszeichnen. Ziel des Förderpreises ist es, die Relevanz systemischen Denkens für die therapeutische und beraterische Praxis deutlich zu machen und die wissenschaftliche Forschung in diesem Bereich anzuregen. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert.
Zeitschrift systeme
Zweimal jährlich erscheint die Zeitschrift systeme. systeme ist eine interdisziplinäre Zeitschrift für systemtheoretisch orientierte Forschung und Praxis in den Humanwissenschaften, die die Österreichische Arbeitsgemeinschaft für systemische Therapie und systemische Studien (ÖAS) und die Systemische Gesellschaft gemeinsam herausgeben.





Systemische Beratung